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Schönen guten Tag.

Willkommen auf meiner Spielwiese. Mir ist gegeben hier zu arbeiten. Setzen Sie sich doch erstmal...
Gästebuch.
Aus dem Leben gerissen...

Es war nicht lang her, da saß ich in einem Cafe in irgendeiner deutschen Provinz. Ich wartete schon seit Stunden auf einen Kakao mit Sahne und mit extra vielen Keksen, aber es schien irgendwie zu viel Anderes los zu sein als das die hübsche und unfreundliche Kellnerin sich an meine Bestellung erinnern würde.
Vor mir stand ein Obstkorb und bevor die bereits benannte hübsche und unfreundliche Kellnerin (ich gab ihr den Namen "Greta", weil mir das einfach passend erschien) in das wo-sich-Greta-eben-aufhält-wenn-sie-nicht-zu-sehen-ist verschwand, gab sie mir mit ihrer unerträglichen, anscheinend mit Hass auf alles was mit ihrem Beruf zusammenhing gefüllten Stimme den Tipp, ich soll doch während der Wartezeit einpaar Früchte probieren; "...und elend daran ersticken." wollte ich vorgebend hinzufügen, aber ich lächelte nur und nickte.
Ich saß also vor diesem Korb in dem Cafe in der hintersten Ecke in einem riesigen Nebenraum und fühlte mich so ganz und garnicht wohl. Nach der Begegnung mit Greta, der wohl immernoch hübschen und vielleicht ja auch nur zu Jugendlichen unfreundlichen Kellnerin, war ich sogar richtig genervt, gar einwenig wütend auf die Menschheit und alles existierende.
Ich starrte den Obstkorb an, knetete meine Hände und hustete kurz.
Bestimmt muss ich den Kram doch bezahlen, wenn ich ihn esse...
Ich nahm einen blöden Apfel und schaute ihn an. Er war ganz fest und schien mich an zu lächeln und mir zu sagen, dass er genug von seinem Leben als leckerer, saftiger, absolut unglaublich schöner Apfel hatte...
Ich legte ihn wieder weg... Schleimscheißer...
Mit einem mal kroch eine kleine Fruchtfliege über den hölzernen Tisch und ich lehnte mich einwenig in dem Sessel, den ich mir bei betreten dieses Nahrungs- und Getränkeverkaufs aussuchte, zurück und beobachtete sie.
Blöder Saftladen... blöde Kellnerin... UND WIESO IST DER SESSEL NICHT EINGESESSEN?!?!?
Mit einem Ruck wusste ich was ich tun werde, um einwenig Ruhe zu finden. Ich fuhr mit einem Ruck nach vorn, stützte mich mit einem Ellenbogen auf den Tisch und lächelte die kleine, krabbelnde Fliegen an.
KNIRSCH...
So ungefähr stellte ich mir das Geräusch für die Fliege aus ihren eigenen Ohren vor als ihr Proteinkörper zerdrückt wurde und dann matschig zuckte...

Zuallererst fühlte ich mich mächtig... groß... ungewöhnlich entspannt... und dann...

Ich zerdrückte eine Fliege. Ein Lebewesen, dass sicherlich keinen Schmerz dabei empfand aus dem Leben zu scheiden, da es kein Neuralsystem besitzt wie wir Menschen es tun, aber ich tötete... ja... das kann man töten nennen, wenn nicht gar morden. Mir verging das gute Gefühl und auf einmal fühlte ich mich noch viel unwohler als vorher. Ich fühlte mich dumm. Dumm und feige. Wahrscheinlich saß sie eben noch auf dem Apfel, den ich mir anschaute und jetzt klebt sie an meinem Daumen... sicherlich hatte sie mir schon Passiv verziehen als ich meinen Finger wieder von ihrem toten Körper hob, denn ihre maximale Gedächtnisse-Spanne dürfte ungefähr 0,3 Sekunden betragen... (das ist der Grund warum Schmeißfliegen immer wieder gegen die Fensterscheibe donnern, obwohl sie sich beim ersten Mal schon ganzschön den Schädel andeppern)
Ging es aber darum, dass es ihr nichts ausmacht zu krepieren? Nicht wirklich. Eigentlich sollte ich ihr für die ewige Güte der Nicht-Intelligenz danken, denn wenn eines Tages die Fliegen-Aliens angreifen kann ich dennoch sagen, dass mir der kleine Fruchtfliegerich meine Torheit vergeben hat. Oder vielleicht ein Fruchtfliegerinchen? Vielleicht hatte es noch einpaar Stunden vor sich. Hatte er schon Nachkommen gezeugt? Hoffentlich liegen die Eier im Apfel. Ich schob den Obstkorb weg und vergrub den Apfel unter zwei Bananen und einer Orange.
Irgendwann fing ich dann an daran zu denken, was man jeden Tag so tut. Man zerkloppt Spinnen, Mücken und alles mögliche Getier, aber wirklich darüber nachdenken was man anstellt ist nicht. Wenigstens das beendete Leben in Ehren halten. Sich mindestens kurz schämen dafür, dass man um ein besseres Gefühl oder um nerviges Summen loszuwerden unwissendes, unvorbereitetes, wirklich existierendes zerschlägt...

Wenn kleine Jungen kochendes Wasser in Ameisenhaufen kippen nur um die Arbeiter dabei zu beobachten wie sie all die vielen Kameradenleichen aus den Gängen schaffen...

Wenn kleine Kinder Weberknechte an einem Bein einklemmen, um sie langsam Sterben zu sehen.

Wenn ein kleiner Starving ein Fliege zerdrückt, weil ihm nicht gefallen hat wie jemand völlig andres mit ihm spricht...


Als ich mich dann erhob, wusste ich was ich tue. Ich mache es zwar nicht rückgängig, aber ich tue das, was ich hätte tun sollen. Greta, der doofen, hübschen, unfreundlichen Studentenbedienung märtyrerhaft den Tag verderben. Ich ging nach Hause ins Hotel und gönnte mir ein Tonic Water aus der Mini-Bar...

Und für den kleinen Kerl bzw. die kleine Type trink ich mit... Skol!
21.4.08 21:37
 


bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Spyderschwinky / Website (27.8.08 19:36)
hey <3
wow das hat mich echt zum nachdenken gebracht. das hat mich daran erinnert, wie ich früher immer fliegen im glas gefangen habe um sie anschließend aufm balkon freizulassen...es ist beeindruckend wieviel in einem kopf vorgehen kann, an einem einzigen café besuch. aber lol ich hätte zugern "gretas" gesicht gesehen, als sie bemerkt hat, dass du weg warst ;D hihi
byebye ♥
~Spyderschwinky

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